Die neuen ÖGNB-Kriterien 2024

Die Neuauflage der ÖGNB-Kriterien ist ein großer Schritt Richtung Zukunft: Die Anforderungen wurden präzisiert; dabei wurde geschärft, was es im Gebäudebereich braucht, um die Klimakrise zu bewältigen. Die neuen Schwerpunktsetzungen belohnen Gebäude mit ÖGNB-Qualitätspunkten, die aktuelle Herausforderungen aktiv angehen und zukunftsweisende Lösungen umsetzen. Die Kriterien sind an aktuelle Gesetze und an die neue OIB-Richtlinie angepasst, zu 100 Prozent kompatibel mit klimaaktiv und berücksichtigen das LEVELS-System der EU. Als erstes Gebäudebewertungssystem in Österreich wurden im neuen ÖGNB-Kriterienkatalog die Anforderungen der EU-Taxonomie direkt eingearbeitet.

Das Bewertungssystem der ÖGNB zeichnet sich durch eine gleichwertige Gewichtung von Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftskriterien aus, was eine holistische und umfassende Betrachtung der Nachhaltigkeit ermöglicht. Einzigartig ist, dass die ÖGNB Bestands-, Sanierungs- und Neubau-Projekte mit denselben Bewertungskriterien und Gewichtungen beurteilt. Dies unterstreicht die zentrale Herausforderung des Gebäudesektors bei der Bewältigung der Klimakrise: die Optimierung des Gebäudebestands.

Klimaschutz

Treibhausgasneutralität und der Ausstieg aus fossilen Energieträgern im Gebäudesektor sind nur erreichbar, wenn alle Gebäude – damit insbesondere Bestandsgebäude – energieeffizienter und vollständig mit erneuerbaren Energien versorgt werden. Entscheidender Faktor ist hierbei die Nutzung der Energiepotenziale am Standort, wie etwa durch Umgebungswärme, Geothermie und Photovoltaik. Aus diesem Grund zertifiziert die ÖGNB ausschließlich Gebäude, die auf erneuerbare Energien setzen.
Auch für Bestandsgebäude wird sie eine Fertigstellungsurkunde nur ausstellen, wenn der geplante Umstieg auf ein erneuerbares Energiesystems erfolgreich umgesetzt wurde.

Klimawandelanpassung

Ein neuer Schwerpunkt liegt auf der Klimawandelanpassung und wird in verschiedenen Aspekten abgefragt: von Klimarisikoanalyse bis hin zur Bewertung der Freiraumqualitäten. Eine wesentliche Neuerung ist die Weiterentwicklung der Komfortkriterien in Bezug
auf die Sommertauglichkeit, um den Komfort der Gebäudenutzer:innen angesichts der klimatischen Veränderungen zu gewährleisten. Der vergangene Sommer hat eindrucksvoll verdeutlicht, wie wichtig diese Anpassungen (oder diese Maßnahmen) sind.

Ressourcenschonung und Kreislauffähigkeit

Ein bewusster und sparsamer Umgang mit Baumaterialien war von Anfang an ein Schwerpunkt des ÖGNB-Bewertungssystems. Die Neuauflage hebt die Aspekte durch eine höhere Gewichtung und die Bündelung in Kriteriengruppen deutlicher hervor. Neu hinzugekommen ist die Implementierung der Prinzipien der Kreislaufwirtschaft, die eine umfassende Betrachtung der Ressourcennutzung sowie die Förderung von Wiederverwendung und Recycling im Bauwesen umfasst. Die ÖGNB bewertet die Materialität in vielen Dimensionen, einschließlich der Transportwege, Verwendung von Recyclingbaustoffen, Ökobilanzierung, Rückbaufähigkeit und vor allem in Form von Qualitätskriterien zur langlebigen Nutzung der Gebäude.

EU-Taxonomie

Als erstes Gebäudebewertungssystem Österreichs hat die ÖGNB sämtliche Umweltziele der EU-Taxonomie mit ihren Anforderungen in den neuen Kriterienkatalog implementiert. Bei einer ÖGNB-Zertifizierung wird es ab nun deutlich einfacher, parallel dazu eine Taxonomie-Konformitätserklärung auszustellen.

ESG-Berichte, CSRD und digitaler Akt

Das ÖGNB-Gebäudebewertungssystem deckt umfassend alle Qualitätskriterien ab, die für nachhaltiges Bauen von Relevanz sind: Neben Klimaschutz berücksichtigt es auch wirtschaftliche und soziale Qualitäten. Es ist naheliegend, diese Kriterien als Benchmarks für die ESG-Berichtserstattung zu verwenden. Schon aufgrund der Dynamik der europäischen Rahmengesetzgebung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) ist die Entwicklung in diesem Bereich noch lange nicht abgeschlossen. Unser Ziel ist es, künftig auch in diesem Tätigkeitsbereich neue Maßstäbe im Bereich der Gebäudebewertung zu setzen.